Am Tag der Arbeit gingen wir früher vom Kindergarten aus, jede_r mit einer roten Nelke in der Hand über die Versorgungswege der LPG bis hin zum Kanal und zurück. Dabei sangen wir schöne Lieder über Berufe ("Zeigt her eure Füße...", "Rot, ja rot sind alle meine Kleider...") und mein Freund Berni schubste mich in die Brennesseln, weil wir zusammen waren und eine Jugendgang.
Heute wird auch viel geschubst, insbesondere auf den Anti-Globalisierungsdemos, die nun traditionell am 1.Mai stattfinden, gerne in großen Städten, am Liebsten in Berlin.
Schauen wir uns aktuelle politikwissenschaftliche und ökonomiekritische Theorien insbesondere zu Wertschöpfungsketten (value chains) und Versorger-Ketten (care chains) an, dann gibt es auch allen Grund zur Kritik: Der Wohlstand und das gute Leben westeuropäischer, mehrheitlich Weißer und einigermaßen gebildeter Menschen, insbesondere als Männer identifizierter Menschen, basiert auf der Ausbeutung von Menschen anderer Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht. Da wir aber seit Langem in der Lage sind, all die schmutzigen Seiten unserer Güterproduktion auf andere, ärmere, durch Kolonialisierungs-Erbe und globale Erderwärmung (zu der wir genauso unseren Scheffel beigetragen haben) missbrauchte Kontinente auszulagern, da wir zudem unseren Müll gleich auch wieder dorthin verfrachten, und dadurch ebenso, wie durch die Produktion von Gütern auch durch die Destruktion derselben zur Gefährdung des Lebens unserer für uns fahrlässigerweise unsichtbaren Mitmenschen und deren unmittelbarer Umwelt kräftig beitragen, alldeswegen leben die meisten von uns in einer Ignoranz, wie nur Privilegierte sie sich eben leisten können.
Das diese ökonomischen, hochproblematischen globalisierenden Tendenzen geschlechtlich markiert sind, also eine gender-Dimension haben, beweist der Film maquilapolis, der auf you tube zugänglich ist und glücklicherweise auch zeigt, dass es sich bei den Betroffenen nicht um Opfer-Objekte handelt, die nicht fähig wären, selbstbestimmt ihr Leben in die Hand zu nehmen und deshalb regiert werden müssten. Frauen, so konstatiert die Protagonistin des Films, würden gezielt von Unternehmern ausgewählt, um in den Fabriken Elektrotechnik herzustellen, da sie als schweigsam und auf Grund ihrer Rollen als Mütter als besonders duldsam gelten (Die Kinder müssen schließlich ernährt werden). Außerdem hätten sie feinere Hände, die mit der kleinen Elektronik besser zurechtkämen. Das sie ihr Schicksal nicht einfach erdulden, sondern - teilweise erfolgreich - dagegen ankämpfen, beweisen die maquiladora-Frauen in dem Film.
Also, das ist doch mal ein Anlass für eine solidarische "Erster Mai"-Demo, finde ich.

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